Ruhig und beschaulich mag Brünn auf dem ersten Blick aus der Ferne wirken. Unterhalb der markanten Peter-Pauls-Kathedrale und der alten Festung auf dem Spielberg befindet sich der Besucher gleich inmitten einer quirligen Innenstadt mit bimmelnden Straßenbahnen, sonnigen Straßencafés und jeder Menge junger Menschen.
Wer die großteils autofreie Altstadt Brünns durchwandert, entdeckt viel Vertrautes – die Spuren der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte mit Wien sind auf Schritt und Tritt bemerkbar. Brünn besitzt viele Baujuwele aus vergangener Zeit – von Gothik über Barock bis zum Jugendstil. Der Zweite Weltkrieg hat in der Brünner Innenstadt nur geringe Lücken hinterlassen. So findet man hier nunzählige Kirchen, Innenstadtpalais der Adeligen und Prachtbauten einst reicher Bürger der Stadt.
Zwischen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts – dieser Zeitraum gilt als die Blütezeit der Stadt. Der hohe wirtschaftliche Wohlstand löste einen Bauboom aus, und der damaalige Zeitgeist gab Spitzenarchitekten wie Bohuslav Fuchs oder Mies van der Rohe die Möglichkeiten, Einzigartiges zu schaffen. Herausragendes Beispiel ist die Villa Tugendhat, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Obwohl Brünn in erster Linie als Industrie-, Handels- und Beamtenstadt bekannt ist, besitzt die Stadt eine gemessen mit der Einwohnerzahl beachtliche Kulturszene. Neben der Oper und den herrlichen Theaterhäusern existiert eine Vielzahl an kleinen, unabhängigen Kulturstätten. Brünn improvisiert. Mit nur geringen Mitteln gelingt es immer wieder, Herausragendess zu schaffen. Legendäre Jazzkeller, unangepasste Theatergruppen, Straßenfestivals – rund um das Jahr ist immer etwas los in Brünn.
Funktionalismus – das sind klare, reduzierte Formen. In der Zwischenkriegszeit hat sich gerade hier in Brünn ein Baustil entwickelt, der bis heute die moderne Architektur beeinflusst: Die Weiße Moderne Brünns. Im Masarykviertel – das ist die Gegend vom Kuhberg (Kraví hora) bis hinunter zum Messegelände – hat sich bis heute eine beinahe geschlossene Siedlungsfläche erhalten, die im funktionalistischen Stil Brünns erbaut wurde. Für Freunde moderner Architektur schon allein ein Grund, dieser Stadt einen Besuch abzustatten.
Geschäftstourismus ist ein bedeutender Faktor für die Stadt. Das Brünner Messegelände wurde als modernstes seiner Zeit erbaut und behauptet auch heute noch seinen Status als wichtiger Messeplatz in Mitteleuropa. Die Ausstellungshallen und die angeschlossenen Kongresszentren sind Anziehungspunkt für Tausende Geschäftsreisende Jahr für Jahr.